Blue Daisy



Marke:
Austin

Baujahr:
1934

Model:
Twelve-Six
Harley Saloon

Motor:
1.7l Straight 6-cylinder 
18kW - 24PS

Getriebe:
4 Gear Manual Transmission

Name:
Daisy


Kapitel 1: Die bekannte Geschichte des Vorbesitzers

Die Geschichte dieses Austin begann bereits mit seinem Vorbesitzer. Ohne ihn hätte der Wagen vermutlich nie den Weg in die Schweiz gefunden. Zwischen 1994 und 2008 besass er in England bereits zwei Austin Seven und einen Austin Twelve-Four. Im Dezember 2017 entschied er sich, seine Leidenschaft fortzusetzen, und kaufte diesen Austin Twelve-Six von einem privaten Verkäufer.

Da er in England einen zweiten Wohnsitz hatte, plante er frühzeitig, das Auto nach Aufgabe dieses Wohnsitzes in die Schweiz zu überführen. Er gab den Wagen bei einem bekannten lokalen Restaurator in Auftrag, der den Austin bis 2019 umfassend restaurierte. Im März 2019 war die Arbeit abgeschlossen, und ein englisches Transportunternehmen brachte das Fahrzeug bis an die Schweizer Grenze, wo der Vorbesitzer den Austin persönlich in Empfang nahm.

Nach der Verzollung fuhr er mit dem Wagen zu seinem Schweizer Oldtimerspezialisten. Bereits auf der 16 km langen Fahrt stellte er starke Vibrationen ab etwa 30 km/h fest und bemerkte, dass sich aus dem Motor kaum Leistung herausholen liess – völlig untypisch für dieses Modell. Trotz dieser Probleme tuckerte er mit dem Austin bis zur Werkstatt.

Dort zeigte sich schnell: Abgesehen vom ausgezeichneten Karosseriezustand war der technische Zustand des Fahrzeugs miserabel. Vom Motor bis zu den Rädern war vieles unsicher, verschlissen oder fehlerhaft und musste mit grossem Aufwand erneut restauriert werden. Nach der gründlichen Überholung des Motors und der Reparatur aller defekten Komponenten konnte der Austin am 24.01.2020 erstmals in der Schweiz zugelassen werden.

Aufgrund einer Krankheit war der Vorbesitzer jedoch nicht mehr in der Lage, das Fahrzeug zu behalten. So suchte und fand er einen neuen Besitzer – und der Austin Twelve-Six erhielt in der Schweiz ein neues Kapitel seiner Geschichte.  

Kapitel 2: Meine Geschichte

Meine Geschichte begann am 23. März 2025, als ich mit Freunden spontan eine Autoshow eines lokalen Autohändlers besuchte. Zwischen all den glänzenden Neuwagen stand ein kleiner Austin Seven, der meine Aufmerksamkeit sofort auf sich zog. Der Zustand, in dem das Auto im Schaufenster stand, liess darauf schliessen, dass es schon seit vielen Jahren nicht mehr bewegt worden war. Rund um die Hinterachse hatten sich Spinnweben gebildet, wie sie nicht einmal in meinem Dachstock zu finden sind. Das Auto tat mir schnell leid, und so nahm ich noch am selben Abend Kontakt mit dem Autohändler auf. Da dieser für das ramponierte Fahrzeug jedoch einen deutlich zu hohen Preis verlangte, entschied ich mich schweren Herzens gegen den Kauf.

Als ich meinem Freund Rocher Luder von dem Auto erzählte, schickte er mir einen Link zu einem Fahrzeuginserat für einen Austin Twelve Six. Da ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Anschaffung für einen Oldtimer eingeplant hatte, nahm ich das Inserat zunächst nicht ernst. Doch nachdem ich mich mit dem Verkäufer in Verbindung gesetzt hatte, stellte ich fest, dass sich das Auto in einem ausgesprochen guten Zustand befand. Schnell wurde mir klar, dass dies eine Gelegenheit war, die so schnell nicht wiederkommen würde. Trotz anderer grosser Ausgaben fasste ich mir ein Herz und liess mich auf den Kauf ein. Rückblickend war dies eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem bisherigen Leben getroffen habe. 

Am Freitag, dem 30. Mai 2025, war es dann endlich so weit: Der Tag der Fahrzeugübernahme war angebrochen. Kaum waren die Nummernschilder montiert, begann die 108 km lange Überführungsfahrt. Diese Strecke war nicht nur für das Auto eine Herausforderung, sondern auch für mich – als allererste Fahrt mit diesem Wagen. Da der erste und zweite Gang nicht synchronisiert sind, gab es mehrere Momente, in denen ich das Auto am liebsten frustriert an den Strassenrand gestellt und wäre zu Fuss nach Hause gelaufen. Gleichzeitig war mir bewusst, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und Leidenschaft zunächst viel mit Leiden zu tun hat. Und wenn man eines Tages genug gelitten hat, wird man es irgendwann schaffen. 

So nahm die Geschichte ihren Lauf, und das Buch mit leeren Seiten füllte sich mit jeder Fahrt ein Stück mehr. Trotz einiger Schwierigkeiten gehört es für mich immer wieder zu den schönsten Gefühlen überhaupt, sich in ein Auto verlieben zu dürfen. Um nichts in der Welt würde ich meine Daisy wieder hergeben. Die Vorfreude auf viele weitere gemeinsame Kilometer ist gross, und die Dankbarkeit ebenso – dafür, ein Stück Geschichte in der Garage stehen zu haben und sich diesen Traum bereits mit 26 Jahren erfüllt zu haben.


Um die Begeisterung rund um den Austin mit anderen zu teilen, gibt es jetzt ein eigenes Profil auf Instagram – hier werden regelmäßig Eindrücke, Geschichten und besondere Momente rund um den Austin gezeigt.

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